Auszüge aus dem Buch: "Bruckenau,
eine Banater Hecken-Gemeinde an der Bergsau", herausgegeben von der
HOG Bruckenau.
Bilder und Bilderklärungen: Ignatz Remmel
- Waldkraiburg
Die Blasmusik hieß in Bruckenau „Blechmusich“ und zu einer Blasmusikkapelle
sagte man einfach „die Musich“.
Blaskapellen spielten im Kultur- und Unterhaltungsleben des Ortes eine
wichtige Rolle.
Die erste Bruckenauer Blaskapelle gab es im Jahre 1870, gegründet
von Josef Kohl.
Kapellmeister Mathias Loris übernahm 1894 die Kapelle, brachte
Schülern und Jugendlichen Instrumentalkenntnisse bei und sorgte so
für den Nachwuchs. Das Einlernen der Schüler war für den
Kapellmeister meist eine mühselige Arbeit.
Eine intensive Entwicklung erfuhr dieser Unterhaltungsfaktor in der
Zwischenkriegszeit unter dem Kapellmeister Johann Greif... Man erinnert
sich an den großen Banater Schwabenball in Temeschburg 1937/38 den
die Bruckenauer Blasmusik hervorragend umrahmte. Das Repertoire erweiterte
J. Greif mit neuen Kompositionen aus Prag. Viele Musikstücke, die
heute noch von Banater Musikanten in Deutschland gespielt werden, brachte
Johann Greif erstmals nach Bruckenau (z.B. „Übers Jahr im Mai“, „Blaue
Veilchen“)...
Auch nach dem Krieg konnte die Bruckenauer Blasmusik einige Glanzleistungen
verbuchen.
Obwohl Mathias Müller (promovierter Musiker) nur 4 Jahre an der
Spitze der „Musich“ stand (1955-1959), ist seine Zeit beachtenswert...
Eine hervorragende Tätigkeit entfaltete die „Musich“ unter Manfred
Loris und dem begabten Berufsmusiker Reinhard Scherer.
Die Formation zählte 15-20 Mitglieder, die sich ein- oder zweimal
wöchentlich zur Probe versammelten. Zunächst mußten das
Notenmaterial erneuert, Tonträger angeschafft und das Repertoire erweitert
und gefestigt werden. So spielte man außer den überlieferten
Walzern und Polkas neue Egerländermusik. Anspruchsvolle, klassische
und rumänische Bearbeitungen aufzugreifen, ein Anliegen Scherers als
Militärmusiker, war für die jungen Musikanten eine echte Herausforderung.
Dabei wurde der Nachwuchs besonders gefördert...
Natürlich gefiel ein solches Programm auch den Zuschauern in anderen
Dörfern. Nicht selten spielten unsere Musikanten Kirchweihfeste und
Hochzeiten in diesen Gemeinden...
Reinhard Scherers Orchestrierfähigkeiten kamen auch bei Kirchenfesten
(Weihnachts-, Neujahrs-, Ostermesse) in Form von Instrumentalbegleitung
zur Geltung.
Wo immer die Musikkapelle gefragt war, „stellte sie ihren Mann“.
Heute spielt Reinhard Scherer im Orchester des berühmten Münchner
Hofbräuhauses und ist GEMA-Mitglied (als Komponist und Verleger).
Versucht man einen zeitlichen Überblick zu gewinnen, stellt man
fest, daß anfänglich zwei Kapellen konkurierten, die zur „Uner-“
oder „Owerpartei“ gehörten...
Ab 1969 pilgerte Josef Kohl (Königshof) zweimal wöchentlich
nach Bruckenau, gründete eine Jugendkapelle, welche später in
die Mathias Tittchen-Kapelle überging, und gab Akkordeonunterricht.
Jeder
Kapellmeister besaß sein eigenes Notenmaterial, das er sich im Laufe
seiner Berufstätigkeit zusammengetragen hatte. Er war gezwungen, für
jedes einzelne Instrument die Stimmen selbst zu schreiben, mußte
Musikstücke entsprechend seiner eigenen Kapelle umschreiben und umharmonisieren...
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