Geschichtliches über Bruckenau

     Die Angaben stammen aus dem Buch: „Kurze Geschichte der Banater Deutschen von 1717 bis 1848“ von Leo Hoffmann, erschienen 1925,  welche mir freundlicherweise von Norbert Neidenbach zur Verfügung gestellt wurden.

    Im Jahre 1725 hörte die erste großzügige Einwanderung auf. Die Haupteinwanderung geschah in den Jahren 1723, 1724.
Bruckenau entstand 1724. Nach alter Ortstradition stammt der Name von „Bruck an der Au“. Wahrscheinlich ist, dass der Ortsname aus der Heimat mitgebracht wurde, wo in Franken ein gleichnamiger Ort ist (Bad Brückenau).
     Die deutschen Dörfer hatten ihre eigene Verwaltung. An der Spitze des Dorfes stand der Schultheiß (Schulz, Richter), den das Volk jährlich wählte. Seine Aufgabe war, die Steuern einzusammeln und Zwistigkeiten zu schlichten. Für die Dauer seines Dienstes war er befreit von Steuern, öffentlichen Arbeiten und Einquartierungen. Ihm standen die Gerichtsleute (Geschworene) zur Seite, die auch von der Gemeinde jährlich gewählt wurden. Ihre Zahl hing von der Größe der Gemeinde ab. Die Gemeinden hatten außer dem Schultheißen auch einen Bürgermeister, der die wirtschaftlichen Angelegenheiten verwaltete.
 Der Geograph Matthias Bel, der 1729 die deutschen Kolonien im Banat beschreibt, bemerkt, dass die Dörfer sich gut entwickeln, weil die deutschen Einwohner sehr fleißig sind.
     Nach einer „Spezification der de facto in dem Temesvarer Banat befindlichen deutschen Ortschaften“ befanden sich 1734 im Banat 46 deutsche Ortschaften. Dazu gehörte im nördlichen Banat auch Bruckenau.
     Der größte Teil der im Jahre 1752 herangekommenen Kolonisten wurde in Bruckenau und anderen 2 Ortschaften untergebracht.
     Die Verteilung und Ansiedlung der herabgelangten Familien versorgten einige dazu bestellte Beamte. Es waren das: Administrationsrat Hildebrand, der Verwalter des Temesvarer Distrikts Knoll u.s.w.. Knoll vermehrte die Häuser in Deutsch-St.-Peter, Bruckenau, Charmata, (Jahrmarkt) e.t.c.
     Im Jahre 1766 mußten die r.k. Pfarrämter des Banats infolge eines Wiener Befehls und Weisungen des  Temesvarer Bischofs mit Zuhilfenahme der Beamten eine Zählung der r.k. Seelen vornehmen, wobei jene Kolonisten, die von 1716 bis 1764 in das Banat gekommen waren, unter der Rubrik „alte“, jene aber, die 1765 bis 1766 angesiedelt wurden unter der Rubrik „neue“ Kolonisten gezählt werden mußten. Die im Zuge der ersten Ansiedlung (1716 - 1764) Angekommenen, oder hier Geborenen, und Ende 1766 noch lebenden Kolonisten betrug 23.000. Bei der zweiten Ansiedlung (1765 -1766) kamen 14.000 Personen. Demzufolge lebten am Ende des Jahres 1766 37.000 Deutsche im Banat. (Bischöfliches Archiv)
Laut dieser Liste betrug die Zahl der „alten“ Kolonisten 425 Personen und „neue“ Kolonisten waren 496 Seelen am 31.12.1766 in der Pfarrei Bruckenau, also 921 Einwohner insgesamt.
     Am 18.06.1766 erging die Verordnung, dass jedes Dorf mit einem Pfarrer und Lehrer, und je zwei Dörfer mit einem Chirurgen zu versehen sind. Mittels Verfügung vom 13.05.1767 wurden jedem Kolonisten 24 Joch zum Ackerbau und 6 Joch Wiesen zugeteilt.
     Die meisten deutschen Pfarreien entstanden anläßlich der zweiten großen Ansiedlung. Die Pfarrei Bruckenau wurde 1759 gegründet. Vorher (ab 1730) war Bruckenau Filiale der Pfarrei Jarmatha (Jahrmarkt).
     Die Schulen entstanden schon sehr früh. Die ersten „Lehrer“ waren zumeist geschicktere Handwerker, die gut lesen, schreiben, rechnen und singen konnten. Sie versahen auch die Kantor und Meßnerdienste, und die des Schreibers in der Gemeinde. Weil es keinen Schulzwang gab, schickten nur wenige Leute ihre Kinder in die Schule. Die meisten Schulen hatten nur 20 - 40 Schulkinder. Das war aber trotzdem ein schöner Bestand; konnte doch in den nichtdeutschen Dörfern außer dem Popen fast niemand lesen. Auch in Deutschland gab es damals noch sehr viele Analphabeten. In den größeren Gemeinden, besonders nach dem Türkenkriege von 1738/39 finden wir schon bessere Lehrer. Sie waren keine Handwerker, sondern sind früher Schreiber oder dergleichen gewesen. In Pfarreien wo kein Lehrer war, was aber nur in den kleinsten Dörfern vorkam, unterrichtete der Pfarrherr selbst. Im allgemeinen stand das Unterrichtswesen bei den Schwaben im Banat auf einer nach damaligem Begriff sehr hohen Stufe, was den katholischen Bischöfen von Temesvar zu verdanken ist. Im Jahre 1778, als man das Banat Ungarn anschloß, hatte es ein blühendes deutsches Schulwesen. In Bruckenau standen damals 182 Häuser; die Schülerzahl lag bei 178 Schüler.
     Da im Banat die Gutsbesitzer gerne deutsche Kolonisten aufnahmen, und ihnen sogar Unterstützungen gewährten, kamen alljährlich sehr viele herab. Durch diese neuen Kolonisten, sowie durch den Kinderreichtum wuchs die Zahl der Deutschen im Banat ständig. Somit betrug die Zahl der Deutschen1821, nach der dritten Ansiedlung (1810 - 1811), zumindest 150.000 Seelen, wobei 1792 "nur" 80.000 Deutsche im Banat lebten. Ein Zuwachs von 87,5% in nur 29 Jahren. In Bruckenau lebten 1821 1091 Deutsche.
     Die Contributional und Domestikalsteuer wurde dem Komitate entrichtet. Auch an Naturalprodukten mußten "Portionen" in die "Komitats-Frucht-Magazine", welche sich in Jarmatha (Jahrmarkt), Klein-St.-Nikolaus und Werschetz befanden, geliefert werden. Mit den Naturalprodukten wurden die Komitatshäftlinge, Panduren, das durchreisende Militär und die im Komitate zur Aufrechterhaltung der Sicherheit ständig garnisonierenden Militärkompanien verpflegt. Im Jahre 1847 entrichtete Bruckenau 1116 Gulden, 16 Kreuzer, 1685 Portionen Frucht, 1248 Portionen Hafer und 1248 Portionen Heu an das Temescher Komitat.

erstellt am 10.01.99 von Helmut Schlauch