Ortsrundfahrt 1997:

   An einer von Bäumen gesäumten Landstraße, bei km  19 km, nord - nordöstlich der großen Kreisstadt Temeschburg (Timisoara*), liegt, zwischen zwei Wäldern, das etwa 1500 Einwohner zählende Dorf Bruckenau (Pischia*).
    Erreicht man das Dorf aus südlicher Richtung, erspäht man als erstes, auf der rechten Seite, den (noch immer) staatlichen Landwirtschaftsbetrieb.
    Nach etwa 500 m, auf der linken Seite, erhebt sich ein dreistöckiger Bau, - die Dorfmühle - , und dahinter der Bahnhof. Dank des holprigen, unbewachten Bahnüberganges, kann man diesen aber nicht verfehlen!
    Hat der Besucher diesen nun heil überquert, gelangt er in das eigentliche Dorf. Bis auf ein Bahnwärterhäuschen befinden sich auf der rechten Seite, bis an die Bergsaubrücke, welche über das seit seiner Begradigung 1974 meistens nur wenig Wasser führende Flüßchen Bergsau (piriul Beregsau*) führt, keine weiteren Gebäude.
    Ist diese Brücke überquert, säumt nun eine beidseitige Häuserreihe die, ab hier etwas ansteigende, sich verbreiternde, einzige geteerte, Hauptstraße (Hauptgass**). Das nächste, für die gesamte Gemeinde wichtige Gebäude, - die Ärztepraxis - befindet sich etwa 400 m nach der Brücke auf der rechten Seite. In dieser Praxis versehen eine Allgemeinärztin, eine Kinderärztin und ein Zahnarzt ihren Dienst.
    Gegenüber dieser Praxis befindet sich auf der linken Seite die römisch - katholische Kirche welche aber seit einigen Jahren, seit (fast) alle Einwohner deutscher Abstammung - banater Schwaben - ausgewandert sind, kaum noch geöffnet ist. Im dazu gehörenden Pfarrhaus wohnt z.Z. der orthodoxe Seelsorger mit Familie, welche hier auch einen kleinen Laden betreibt.
    Gleich nach dieser Kirche zweigt auch die erste Seitenstraße, die "Sauerländergasse" (Saulännergass**) ab. Betritt man diese Gasse, in welche nach ca. 500 m links die "Friedhofsgasse" (Kerchhofsgass**) einmündet, erblickt das Auge des Besuchers auf der rechten Seite die, erst seit einigen Jahren errichtete, orthodoxe Kirche.
   Wie der Name schon sagt, führt die "Friedhofsgasse" zum römisch - katholischen Friedhof. Sieht man sich diesen genauer an, fällt einem auf, daß die meisten Gräber mit einer Betonplatte versiegelt sind, da fast alle Angehörigen in die B.R.D. ausgewandert sind.
    Ein Neugieriger, welcher die "Sauerländergasse" (Saulännergass**) weiter entlang läuft (wie alle Seitenstraßen schlecht zu befahren), kann noch einige Häusergiebel mit eingravierten deutschen Namen der ehemaligen Eigentümer bewundern, wie sie auch sonnst im Dorfe überall zu betrachten sind, stellt aber nach etwa 1 km fest, daß es nicht mehr weiter geht und ist zum Umkehren gezwungen. Somit wieder an der "Hauptstraße" (Hauptgass**) angekommen, muß er, insofern er das Dorf weiter erkunden will, nach links abbiegen, wo das Auto wieder geteerte Straße unter die Räder bekommt.
    Wieder auf der "Hauptstraße" (Hauptgass**) angekommen, kann der aufmerksame Betrachter gleich nach dem ersten Haus eine verwaiste Kapelle entdecken, welche noch an jene Zeit, vor der "glorreichen Epoche Ceausescu ???" erinnert. Diese Kapellen, von denen es insgesamt 4 im Dorfe gibt (gab), wurden von den katholischen Prozessionen zu bestimmten Anlässen wie Fronleichnam u.s.w. besucht. In den Jahren des Diktatorregimes wurden diese Prozessionen aber untersagt, die Kapellen vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben.
    Nach ein paar Metern gelangt man, auch auf der linken Seite, an einen im Ceausescu-Regime erbauten "Einkaufscenter", welcher in jener Zeit einen (leeren) Lebensmittelladen, eine Buchhandlung und einen Textilienladen beherbergte. Zur Zeit befindet sich noch immer ein schlecht versorgter Lebensmittelladen (weil noch halb staatlich) und eine Bar in diesem Gebäude.
    Gegenüber, auf der rechten Seite, hat eine sich in staatlicher Rente befindende Allgemeinärztin eine private Praxis eröffnet (keine Krankenkassenzulassung).
    Wieder ein paar Meter weiter hat die Polizei ihr Quartier und als Nachbar die Allgemeinschule mit den Klassen 1 - 8. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Rathaus (Gemeindehaus**, Sfatul Popular*). Nach Diesem zweigt die zweite Nebenstraße, die "Roßmüllergasse" (Roßmillergass**) ab.
    Im Gegenteil zur "Sauerländergasse" (Saulännergass**) führt diese aber nicht ins Blaue, sondern, vorbei an der ehemaligen LPG, nach "Murani"* (Moran**), ein Dörfchen, welches auch zur Gemeinde Bruckenau (Pischia*) gehört. In dieser Straße befinden sich ein kleiner, aber recht gut versorgter, Lebensmittelladen, eine Veterinärapotheke und der Feuerwehrschuppen.
    Als Nachbar der Schule, nur durch die Einmündung einer Seitenstraße getrennt, entpuppt sich ein weiterer, auch in der "glorreichen Zeit" erstellter Bau, welcher, in jener Zeit, im Erdgeschoß eine Gaststätte und einen Eisenwarenladen, im Obergeschoß einen Herrenfrisör, einen Damenfrisör, eine Herrenschneiderei, eine Fernsehreparaturwerkstätte und die Büros der staatlichen Genossenschaft beherbergte. Von allen ist noch die Gaststätte und der Eisenwarenladen, welcher jetzt ein Krämerladen ist übrig geblieben. Als Nebenmann des oben genannten Baus ist noch ein modernes, Hotel - Restaurant erwähnenswert. Hier sind die Preise dem Westniveau angepaßt, jedoch mit Ostlöhnen nicht zu bezahlen. Gegenüberliegend des Hotels befindet sich die Postfiliale, welche eine Telefonzentrale aus den 30-er Jahren ihr Eigen nennt.
    Die vorhin erwähnte Seitenstraße führt auf die "Hutwaad**", einer einzeiligen Häuserreihe, welche aber neben einer (ehemaligen) Schreinerei und der dorfeigenen Schnapsbrennerei nichts zu bieten hat. Also bleiben wir lieber weiter auf der "Hauptstraße" (Hauptgass**). Fährt man hier weiter, gelangt man an das "Wertshaus**", einer Mehrzweckhalle, in welcher schon so manches Kirchweihfest, Ball, Hochzeit u.s.w. abgehalten wurde. Leider wurde auch dieses Gebäude vernachlässigt, somit dieses jetzt in einem erbärmlichen Zustand dasteht.
    Eine weitere nennenswerte Einrichtung nach dem "Wertshaus**), auf der linken Straßenseite, ist der "Sauerbrunnen**", welcher, vor 5 Jahren wieder neu gebohrt, seit vielen Jahrzehnten der Dorfgemeinschaft kostenlos sein Mineralwasser  spendet. Einziger Nachteil ist der hohe Eisengehalt des Wassers, welches die Behältnisse nach einiger Zeit rostrot färbt. Es ist aber empfohlen sich hier nicht zu arg zu laben, denn bis zur nächsten, und letzten Kneipe, welche in dem ehemaligen Schulgebäude untergebracht ist, sind es nur noch ca. 500 m. Diese ist dann auch die letzte "gemeinnützige" Einrichtung des Dorfes Bruckenau.
    Bevor ein genauer Betrachter die Reise in der Hauptstraße (Hauptgass**) aber fortsetzt, und somit das "Unterdorf" (Unerdorf**)verläßt - ab hier beginnt das "Oberdorf" (Ewerdorf**) -, entdeckt er noch ein schmales Gäßchen, das "Gässelche**", welches nur per pedes zu durchqueren ist, und in welchem sich der Dorfkindergarten befindet. Dieses "Gässelche**" mündet in die "Frankengasse"(Frankegass**), welche auf der einen Seite in die "Hauptgass**" und auf der anderen in die "Roßmillergass**" mündet.
    Der orthodoxe Friedhof wird erreicht indem man, von der alten Dorfschule ausgehend, noch etwa 300 m dorfaufwärts fährt und in die sich hier, auf der linken Seite, öffnende Seitengasse einbiegt.
    Obwohl das Dorf in Grunde genommen weiter keine Sehenswürdigkeiten mehr darbietet, lohnt sich eine Weiterfahrt, denn nur 600 m nach dem Dorfende gelangt man in den "Oberwald", welcher auch einige Sehenswürdigkeiten anzubieten hat.

* = rumänische Bezeichnung
** = deutscher Bruckenauer Dialekt

Seiteninhalt: Helmut Schlauch

erstellt: 10.98

geändert: 19.11.98