An
einer von Bäumen gesäumten Landstraße, bei km 19
km, nord - nordöstlich der großen Kreisstadt Temeschburg (Timisoara*),
liegt, zwischen zwei Wäldern, das etwa 1500 Einwohner zählende
Dorf Bruckenau (Pischia*).
Erreicht man das Dorf aus südlicher Richtung,
erspäht man als erstes, auf der rechten Seite, den (noch immer) staatlichen
Landwirtschaftsbetrieb.
Nach etwa 500 m, auf der linken Seite, erhebt sich
ein dreistöckiger Bau, - die Dorfmühle
- , und dahinter der Bahnhof. Dank des holprigen, unbewachten Bahnüberganges,
kann man diesen aber nicht verfehlen!
Hat der Besucher diesen nun heil überquert,
gelangt er in das eigentliche Dorf. Bis auf ein Bahnwärterhäuschen
befinden sich auf der rechten Seite, bis an die Bergsaubrücke, welche
über das seit seiner Begradigung 1974 meistens nur wenig Wasser führende
Flüßchen Bergsau (piriul Beregsau*) führt, keine weiteren
Gebäude.
Ist diese Brücke überquert, säumt
nun eine beidseitige Häuserreihe die, ab hier etwas ansteigende, sich
verbreiternde, einzige geteerte, Hauptstraße (Hauptgass**). Das nächste,
für die gesamte Gemeinde wichtige Gebäude, - die Ärztepraxis
- befindet sich etwa 400 m nach der Brücke auf der rechten Seite.
In dieser Praxis versehen eine Allgemeinärztin, eine Kinderärztin
und ein Zahnarzt ihren Dienst.
Gegenüber dieser Praxis befindet sich auf der
linken Seite die römisch - katholische
Kirche welche aber seit einigen Jahren, seit (fast) alle Einwohner
deutscher Abstammung - banater Schwaben - ausgewandert sind, kaum noch
geöffnet ist. Im dazu gehörenden Pfarrhaus wohnt z.Z. der orthodoxe
Seelsorger mit Familie, welche hier auch einen kleinen Laden betreibt.
Gleich nach dieser Kirche zweigt auch die erste
Seitenstraße, die "Sauerländergasse" (Saulännergass**)
ab. Betritt man diese Gasse, in welche nach ca. 500 m links die "Friedhofsgasse"
(Kerchhofsgass**) einmündet, erblickt das Auge des Besuchers auf der
rechten Seite die, erst seit einigen Jahren errichtete, orthodoxe
Kirche.
Wie der Name schon sagt, führt die "Friedhofsgasse"
zum römisch - katholischen Friedhof. Sieht
man sich diesen genauer an, fällt einem auf, daß die meisten
Gräber mit einer Betonplatte versiegelt sind, da fast alle Angehörigen
in die B.R.D. ausgewandert sind.
Ein Neugieriger, welcher die "Sauerländergasse"
(Saulännergass**) weiter entlang läuft (wie alle Seitenstraßen
schlecht zu befahren), kann noch einige Häusergiebel mit eingravierten
deutschen Namen der ehemaligen Eigentümer bewundern, wie sie auch
sonnst im Dorfe überall zu betrachten sind, stellt aber nach etwa
1 km fest, daß es nicht mehr weiter geht und ist zum Umkehren gezwungen.
Somit wieder an der "Hauptstraße" (Hauptgass**) angekommen, muß
er, insofern er das Dorf weiter erkunden will, nach links abbiegen, wo
das Auto wieder geteerte Straße unter die Räder bekommt.
Wieder auf der "Hauptstraße" (Hauptgass**)
angekommen, kann der aufmerksame Betrachter gleich nach dem ersten Haus
eine verwaiste Kapelle entdecken, welche noch an jene Zeit, vor der "glorreichen
Epoche Ceausescu ???" erinnert. Diese Kapellen, von denen es insgesamt
4 im Dorfe gibt (gab), wurden von den katholischen Prozessionen zu bestimmten
Anlässen wie Fronleichnam u.s.w. besucht. In den Jahren des Diktatorregimes
wurden diese Prozessionen aber untersagt, die Kapellen vernachlässigt
und dem Verfall preisgegeben.
Nach ein paar Metern gelangt man, auch auf der linken
Seite, an einen im Ceausescu-Regime erbauten "Einkaufscenter", welcher
in jener Zeit einen (leeren) Lebensmittelladen, eine Buchhandlung und einen
Textilienladen beherbergte. Zur Zeit befindet sich noch immer ein schlecht
versorgter Lebensmittelladen (weil noch halb staatlich) und eine Bar in
diesem Gebäude.
Gegenüber, auf der rechten Seite, hat eine
sich in staatlicher Rente befindende Allgemeinärztin eine private
Praxis eröffnet (keine Krankenkassenzulassung).
Wieder ein paar Meter weiter hat die Polizei ihr
Quartier und als Nachbar die Allgemeinschule mit den Klassen 1 - 8. Auf
der anderen Straßenseite befindet sich das Rathaus (Gemeindehaus**,
Sfatul Popular*). Nach Diesem zweigt die zweite Nebenstraße, die
"Roßmüllergasse" (Roßmillergass**) ab.
Im Gegenteil zur "Sauerländergasse" (Saulännergass**)
führt diese aber nicht ins Blaue, sondern, vorbei an der ehemaligen
LPG, nach "Murani"* (Moran**), ein Dörfchen, welches auch zur Gemeinde
Bruckenau (Pischia*) gehört. In dieser Straße befinden sich
ein kleiner, aber recht gut versorgter, Lebensmittelladen, eine Veterinärapotheke
und der Feuerwehrschuppen.
Als Nachbar der Schule, nur durch die Einmündung
einer Seitenstraße getrennt, entpuppt sich ein weiterer, auch in
der "glorreichen Zeit" erstellter Bau, welcher, in jener Zeit, im Erdgeschoß
eine Gaststätte und einen Eisenwarenladen, im Obergeschoß einen
Herrenfrisör, einen Damenfrisör, eine Herrenschneiderei, eine
Fernsehreparaturwerkstätte und die Büros der staatlichen Genossenschaft
beherbergte. Von allen ist noch die Gaststätte und der Eisenwarenladen,
welcher jetzt ein Krämerladen ist übrig geblieben. Als Nebenmann
des oben genannten Baus ist noch ein modernes, Hotel - Restaurant erwähnenswert.
Hier sind die Preise dem Westniveau angepaßt, jedoch mit Ostlöhnen
nicht zu bezahlen. Gegenüberliegend des Hotels befindet sich die Postfiliale,
welche eine Telefonzentrale aus den 30-er Jahren ihr Eigen nennt.
Die vorhin erwähnte Seitenstraße führt
auf die "Hutwaad**", einer einzeiligen Häuserreihe, welche aber neben
einer (ehemaligen) Schreinerei und der dorfeigenen Schnapsbrennerei nichts
zu bieten hat. Also bleiben wir lieber weiter auf der "Hauptstraße"
(Hauptgass**). Fährt man hier weiter, gelangt man an das "Wertshaus**",
einer Mehrzweckhalle, in welcher schon so manches Kirchweihfest,
Ball, Hochzeit u.s.w. abgehalten wurde. Leider wurde auch dieses Gebäude
vernachlässigt, somit dieses jetzt in einem erbärmlichen Zustand
dasteht.
Eine weitere nennenswerte Einrichtung nach dem "Wertshaus**),
auf der linken Straßenseite, ist der "Sauerbrunnen**", welcher, vor
5 Jahren wieder neu gebohrt, seit vielen Jahrzehnten der Dorfgemeinschaft
kostenlos sein Mineralwasser spendet. Einziger Nachteil ist der hohe
Eisengehalt des Wassers, welches die Behältnisse nach einiger Zeit
rostrot färbt. Es ist aber empfohlen sich hier nicht zu arg zu laben,
denn bis zur nächsten, und letzten Kneipe, welche in dem ehemaligen
Schulgebäude untergebracht ist, sind es nur noch ca. 500 m. Diese
ist dann auch die letzte "gemeinnützige" Einrichtung des Dorfes Bruckenau.
Bevor ein genauer Betrachter die Reise in der Hauptstraße
(Hauptgass**) aber fortsetzt, und somit das "Unterdorf" (Unerdorf**)verläßt
- ab hier beginnt das "Oberdorf" (Ewerdorf**) -, entdeckt er noch ein schmales
Gäßchen, das "Gässelche**", welches nur per pedes zu durchqueren
ist, und in welchem sich der Dorfkindergarten befindet. Dieses "Gässelche**"
mündet in die "Frankengasse"(Frankegass**), welche auf der einen Seite
in die "Hauptgass**" und auf der anderen in die "Roßmillergass**"
mündet.
Der orthodoxe Friedhof wird erreicht indem man,
von der alten Dorfschule ausgehend, noch etwa 300 m dorfaufwärts fährt
und in die sich hier, auf der linken Seite, öffnende Seitengasse einbiegt.
Obwohl das Dorf in Grunde genommen weiter keine
Sehenswürdigkeiten mehr darbietet, lohnt sich eine Weiterfahrt, denn
nur 600 m nach dem Dorfende gelangt man in den "Oberwald", welcher auch
einige Sehenswürdigkeiten anzubieten hat.
* = rumänische Bezeichnung
** = deutscher Bruckenauer Dialekt